Stammzelltransplantation

  • Die Stammzelltransplantation ist oft die einzige Behandlungsoption, die eine Heilung herbeiführen kann
  • Zuerst werden alle blutbildenden Zellen mit einer Hochdosis-Chemotherapie zerstört
  • Dann werden gesunde Blutstammzellen von einem Spender transplantiert

Mit einer sogenannten allogenen Stammzelltransplantation soll das kranke Blutbildungssystem vollständig ausgelöscht und durch ein neues, gesundes Blutbildungssystem eines Spenders ersetzt werden. Die Stammzelltransplantation stellt zurzeit die einzige Behandlungsoption von AML dar, die zu einer vollständigen Heilung führen kann. Allerdings ist die Stammzelltransplantation ein umfassender Eingriff in den Körper und mit Risiken verbunden. Sie kommt deswegen vor allem bei eher jüngeren, körperlich leistungsfähigeren Patienten mit AML infrage. Meist kommt die Stammzelltransplantation bei Patienten mit hohem Rückfallrisiko zum Zug.1

Der erste Schritt: eine Hochdosis-Chemotherapie

Am Anfang einer Stammzelltransplantation steht eine sogenannte Hochdosis-Chemotherapie, das ist eine sehr intensive Chemotherapie, die manchmal auch noch mit einer Ganzkörperbestrahlung kombiniert wird. Sie soll das Knochenmark und damit auch alle blutbildenden Zellen zerstören. Damit sollen nicht nur alle im Körper vorhandenen Leukämiezellen zerstört werden. Es soll auch das Immunsystem so weit ausgeschaltet werden, dass der Körper die neuen Stammzellen, die anschließend transplantiert werden (siehe unten), nicht abstößt. Deshalb spricht man bei diesem ersten Schritt vor der eigentlichen Stammzelltransplantation auch von einer „Konditionierung“. 1

Was Spender und Empfänger gemeinsam haben sollten

Anschließend werden gesunde Blutstammzellen von einem Spender übertragen. Dabei handelt es sich um eine sogenannte allogene Transplantation: Als Spender kommen Verwandte oder auch nichtverwandte Personen infrage, deren Gewebemerkmale denjenigen des Stammzellempfängers gleichen oder sehr stark ähneln. Dabei kommt es besonders auf die HLA-Gewebemerkmale an (HLA = Humane Leukozyten-Antigene). Bei anderen Krankheitsformen wie Lymphomen können auch gesunde Blutstammzellen transplantiert werden, die vor der Konditionierung dem Patienten selbst entnommen werden, diese Methode wird auch autologe Transplantation genannt. Bei akuten Leukämien wie AML hingegen kommt in der Regel die allogene Transplantation zum Einsatz.1

Wie die Transplantation abläuft

Die Stammzelltransplantation findet im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthaltes statt. Die Transplantation selbst wird über einen normalen Venenzugang durchgeführt, die Blutstammzellen laufen wie bei einer Infusion in das Blutsystem hinein, es ist keine Narkose notwendig. Die Blutstammzellen wandern im Blutsystem in die Markhöhlen der Knochen und siedeln sich dort an. Bald beginnen sie, neue funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. Es dauert etwa drei bis sechs Wochen, bis das fremde Knochenmark angewachsen ist und sich die Blutwerte erholt haben. Während dieser Zeit und auch danach müssen sogenannte Immunsuppressiva eingenommen werden, das sind Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken und so eine Abstoßungsreaktion auf die neuen Blutstammzellen verhindern sollen.1

Das Verfahren kann vollständige Heilung bringen, ist aber auch mit Risiken verbunden

Nach einer erfolgreichen Transplantation bilden die neuen Stammzellen die Basis für ein gesundes Blutbildungssystem. Doch der Eingriff birgt auch Risiken. Werden die neuen Zellen nicht angenommen, kann das im Extremfall sogar lebensbedrohlich sein. Deswegen wird das Behandlungsteam frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um solchen Komplikationen entgegenzuwirken. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin sorgfältig, ob Sie für die Stammzelltransplantation infrage kommen und welche Chancen und Risiken sie birgt.