Fortgeschrittene Erkrankung

  • Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung schwinden oft die Chancen auf Heilung
  • Es gilt, das zu verarbeiten – indem man auch lernt, mit der Krankheit zu leben

Sind Erkrankungen des Blutes weiter fortgeschritten, schwinden die Chancen auf eine Heilung oder einen vollständigen Stopp der Erkrankung. In dieser Situation wird klar, dass einen diese Erkrankung bis zu seinem Lebensende begleiten wird und man sich nun auf diese „lebensbegleitende” Erkrankung einstellen muss.

Mit der Erkrankung leben lernen

Unabhängig davon, ob die Erkrankung weiter fortschreitet, wird Ihnen Ihr Arzt empfehlen, mit der Behandlung fortzufahren – gleichzeitig sollten Sie versuchen, die Erkrankung als Teil Ihres Lebens zu akzeptieren. Zwischen diesen beiden Polen – Kampf gegen die Krankheit und Akzeptanz der Krankheit – den richtigen Weg zu finden, liegt ein schwieriger, aber trotzdem lohnenswerter Balanceakt. Denn es hilft dabei, sich sowohl auf ein weiteres Voranschreiten der Erkrankung einzustellen als auch sich gleichzeitig ein Stück weit Normalität und Lebensqualität zu erhalten.

Beraten Sie sich mit Ihrem Arzt

Bei fortgeschrittenen hämatologischen Erkrankungen, wie z.B. der Akuten Myeloischen Leukämie, geht es in den möglichen Therapien häufig weniger darum, die Ursache zu bekämpfen oder eine vollständige Heilung zu erzielen. Wenn sich die Behandlung stattdessen vorrangig darauf konzentriert, die durch die Krankheit hervorgerufenen Beschwerden zu lindern, spricht man von Palliativmedizin. Mit Hilfe der Palliativmedizin lassen sich häufig gerade diejenigen Beschwerden, die einem als Patienten am meisten zu schaffen machen, gut behandeln. Deswegen werden diese Behandlungen vielfach als besonders wirkungsvoll und angenehm empfunden. Sollten Sie starke Beschwerden haben, wenden Sie sich auf jeden Fall an Ihren Arzt und besprechen Sie mit ihm die palliativmedizinischen Optionen, die zur Auswahl stehen.

Psychoonkologie ist ein wichtiger Teil der palliativen Versorgung. Neben der Linderung von Nebenwirkungen wie z.B. Schmerzen geht es auch um den möglichst langen Erhalt der Lebensqualität. Wenn Ihre Krankheit fortgeschritten ist, rücken vielleicht auch Themen wie Tod und Sterben mehr in den Fokus. Es ist nicht immer einfach, mit Angehörigen über diese Themen zu sprechen. Hier kann die Psychoonkologie unterstützen, wo Sie auch Raum finden für das „Unaussprechliche“ – sowohl als Patient als auch als Angehöriger. Gerade am Ende eines Lebens sind vielleicht noch Dinge zu „regeln“ oder zu klären. Manchmal ist die Kommunikation mit der Familie nicht so einfach – auch hier ist psychoonkologische Unterstützung hilfreich. Einige Patienten nutzen die Gespräche auch, um noch einmal auf ihr Leben zurückzublicken. Es gibt verschiedene Arten des „Abschiednehmens“ – und es gibt kein Richtig oder Falsch.

Prof. Dr. rer. nat. Tanja Zimmermann
Professorin für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie an der MH Hannover