Zu Beginn und während der Therapie

  • Es gibt heutzutage gute Behandlungsmöglichkeiten für hämatologische Erkrankungen
  • Versuchen Sie die Therapie aktiv zu unterstützen
  • Therapien beinhalten häufig physische und psychische Herausforderungen. Es hilft, sich von vornherein darauf einzustellen

Durch intensive Forschung sind in den letzten Jahren viele neue Therapieformen entstanden, mit denen die unterschiedlichen hämatologischen Erkrankungen noch gezielter behandelt werden können. Zu Beginn jeder Behandlung steht für den Patienten die Hoffnung auf Besserung und damit verbunden die Sorge, ob die Therapie auch wirklich erfolgreich anspricht. Vergleiche mit Behandlungen von anderen Patienten sind hier sehr schwierig, denn jeder Patient ist einzigartig aufgrund seiner körperlichen Verfassung, seines Alters, Gewichts, der Krankengeschichte etc. Deswegen ist jede Therapie auf den einzelnen Patienten zugeschnitten. Sie können den Therapieverlauf trotzdem aktiv unterstützen. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können z.B. die Behandlung positiv beeinflussen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt, welche Maßnahme für Ihre Therapie am besten geeignet ist.

Eine Behandlung ist auch immer eine Herausforderung

Behandlungsverläufe können individuell sehr unterschiedlich sein. Manche Therapien verlaufen weitestgehend nach Plan, bei anderen kann es zu neuen Herausforderungen kommen, weil z.B. bestimmte Medikamente nicht vertragen werden, die körperliche Beanspruchung zu groß ist oder der Patient auf eine Behandlung nicht so anspricht wie erhofft. Dann müssen Sie „Umwege“ gehen, um zum Ziel zu kommen. Das heißt, nach Absprache mit Ihrem Arzt werden Sie eventuell andere Medikamente ausprobieren oder die Therapieform auf andere Weise anpassen. All das sind Belastungen, die es, trotz einer hoffentlich erfolgreichen Therapie, zu verarbeiten gilt.

Geben Sie möglichen Rückschlägen Raum

Es ist immer gut, optimistisch zu sein, denn es gibt zahlreiche Krankheitsverläufe, die diesen Optimismus rechtfertigen. Es kann sogar vorkommen, dass das Voranschreiten bestimmter Erkrankungen schon nach kurzer Therapiezeit vollkommen gestoppt werden kann. Es kommt im Laufe einer Therapie auch vor, dass die Therapie zunächst nicht anschlägt oder dass z.B. schwere unerwünschte Wirkungen auftreten. Selbst ein sog. Rezidiv, das heißt das Wiederauftreten der Erkrankung nach Therapie, liegt im Bereich des Möglichen. Um solche Situationen meistern zu können, geben Sie auch auftretenden Schwierigkeiten Raum und stellen Sie sich innerlich auf mögliche Rückschläge ein. Die moderne Medizin bietet viele Möglichkeiten, um die Erkrankung unter Therapie zu kontrollieren oder in einigen Fällen auch zu heilen. Der Weg zu einer erfolgreichen Behandlung enthält jedoch auch viele Herausforderungen.

Nehmen Sie Hilfe in Anspruch

Treffen Sie auf Probleme während der Therapie, etwa unerwünschte Nebenwirkungen unter Therapie, besprechen Sie jeden weiteren Schritt genau mit Ihrem behandelnden Arzt: Woher kommen die unerwünschten Wirkungen? Wie sehr schränken sie Ihre Lebensqualität ein? Was spricht dafür, trotzdem die Therapie fortzuführen? Was spricht dagegen?

Keine Sorge, diese Gespräche werden Ihnen niemals schaden oder Sie zu einer bestimmten Entscheidung drängen. Denn: Ihr behandelnder Arzt wird Sie beraten und seine Erfahrung mit in die Waagschale werfen – die Entscheidung jedoch, wie Sie mit der Situation umgehen und wie es weitergeht, treffen am Ende Sie, gemeinsam mit der Unterstützung Ihres Arztes.

Insbesondere zu Beginn einer Behandlung erleben viele ein Wechselbad an Gefühlen – neben Hoffnung können auch Ängste, Sorgen, Wut, Hilflosigkeit und das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, auftreten. Ihre Lebenspläne und auch die Ihres Partners oder Ihrer Familien können sich verändern. Dies geht auch mit beruflichen Veränderungen einher und kann zu finanziellen Sorgen führen. In dieser Zeit ist es wichtig, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Psychoonkologie kann Ihnen zu Beginn der Erkrankung und Behandlung dabei helfen, ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen. Auch im Umgang mit Ängsten oder Niedergeschlagenheit ist psychoonkologische Unterstützung hilfreich. In den meisten Fällen haben Sie bereits im Krankenhaus die Möglichkeit, psychoonkologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Nehmen Sie dieses Angebot wahr. Denn im psychoonkologischen Gespräch haben Sie auch Gelegenheit, offene Fragen anzusprechen, Ihre Ressourcen zu aktivieren („was kann ich trotz Krankheit tun“ oder „was kann ich auch durch die Krankheit tun, wofür ich vorher keine Zeit hatte“) und wieder mehr Kontrolle über Ihr Leben zu erhalten.

Prof. Dr. rer. nat. Tanja Zimmermann
Professorin für Psychosomatik und Psychotherapie mit Schwerpunkt Transplantationsmedizin und Onkologie an der MH Hannover